Im Sommer 2009 schlossen sich, Kai Ehlers und Jefim Berschin - ein deutscher Publizist und ein russischer Dichter - fast einen Monat lang in der Etagenwohnung eines fünfstöckigen Hauses der Moskauer Vorstadt Chimki miteinander ein, um ungestört diskutieren, streiten und klären zu können - zumindest für sich selbst - was mit Russland im Zuge der globalen Umwandlungen Anfang der neunziger Jahre geschehen war - und auch mit dem Westen. Ein solches globales Ereignis wie die Auflösung der Sowjetunion konnte ja auch über Russland hinaus nicht folgenlos bleiben.

 

Je länger die beiden diskutierten und stritten, desto klarer wurde, dass nicht nur von einzelnen Ländern die Rede sein konnte, sondern dass es um die Entwicklung der menschlichen Zivilisation insgesamt geht. Unbestreitbar ist, dass die Welt sich verändert. Aber wo liegt der Sinn? Wo führen die Veränderungen hin? Wohin kann die Entwicklung im Labyrinth der Welt noch führen, nachdem eine ethische Revolution stattfand, in der frühere geistige Werte fast überall an Bedeutung verlieren und neue noch nicht gefunden wurden? Kann die Menschheit überhaupt eine neue Ethik ausarbeiten, welche die Welt vom endgültigen geistigen Niedergang retten kann, dem der physische Niedergang unvermeidlich folgen würde?

 

Als Ergebnis weiterer monatelanger Diskussionen entstand das gemeinsame Buch mit dem geplanten Titel „Metamorphosen der Liebe und Leere“. Auf Druck des Verlages erschien es dann leider unter dem Titel „Russland – Herzschlag einer Weltmacht“, was am Inhalt des Buches etwas vorbeigeht. Aktiv teilgenommen an der Entstehung des Buches haben auch der Künstler Herman Prigann, der die russischen Wandlungen mit seinen Collagen ins Bild setzte, sowie die Übersetzerin Olga Matschilski.

 

Das Buch von Kai Ehlers und Efim Berschin deckte eine ganze Reihe von Problemen und Fragen auf, die heute vor Russland und der Welt stehen. Nicht alle konnten behandelt werden. Dies bewegte die Autoren dazu, ihren Dialog jetzt fortzusetzen. Dies um so mehr als eine ganze Reihe eher nebensächlicher Ereignisse in Russland und der Welt bisweilen ungesunde und seltsame Reaktionen in den Medien und der Politik hervorrufen. Das zeugt davon, dass die ethische Krise sich fortsetzt. Unsere Autoren hoffen daher, in ihrer weiteren Arbeit nicht nur Diagnosen stellen, sondern auch Mittel der Heilung suchen zu können.

 

Und so geht der Dialog, der einmal in Chimki angefangen hat, weiter.

 

Liebe Leser, wir freuen uns auf Ihre aktive Teilnahme und werden Ihre Kommentare gerne veröffentlichen.
 
Herman Prigann

Herman Prigann war künstlerischer Co-Autor des Buches „Rußland - Herzschlag einer Weltmacht“. Er starb am 9.12.2008 nach schwerer Krankheit umsorgt von seinen drei Töchtern in seinem Zuhause in Mallorca.